Steuervergleich: Altersvorsorgedepot vs. ETF-Sparplan

AVD und freies ETF-Depot werden grundlegend unterschiedlich besteuert – in der Ansparphase, bei der Einzahlung und bei der Auszahlung. Wer in welcher Phase wie viel zahlt.

Steuerliche Behandlung im Überblick

Phase Altersvorsorgedepot (AVD) Freier ETF-Sparplan
Einzahlung Sonderausgabenabzug bis 3.000 €/Jahr → Steuersparnis je nach Grenzsteuersatz Keine steuerliche Förderung – Einzahlung aus versteuertem Nettoeinkommen
Ansparphase (Wachstum) Keine Abgeltungssteuer, keine Vorabpauschale → Zinseszins auf das Brutto Vorabpauschale jährlich (thesaurierende ETFs), Steuer auf Dividenden (ausschüttende ETFs)
Auszahlung 80 % steuerpflichtig mit pers. Einkommensteuersatz (oft 15–25 % im Rentenalter), 20 % steuerfrei 25 % Abgeltungssteuer + Soli auf realisierte Gewinne (Teilfreistellung von 30 % für Aktienfonds)

Rechenbeispiel: 30 Jahre, 200 €/Monat, 7 % Rendite

Grenzsteuersatz während Ansparphase: 35 %. Steuersatz im Rentenalter: 22 %. Teilfreistellung für Aktienfonds: 30 % (effektiver Steuersatz auf Gewinne beim ETF: 17,5 %).

PostenAVDETF-Sparplan
Eingezahltes Netto (30 Jahre)72.000 €72.000 €
Steuervorteil durch Sonderausgabenabzug+ 25.200 €0 €
Brutto-Endkapital vor Steuern227.000 €227.000 €
Steuer in der Ansparphase (Vorabpauschale)0 €≈ – 3.200 €
Effektives Endkapital227.000 €≈ 223.800 €
Steuer bei Entnahme (Beispiel: alles auf einmal)≈ – 35.800 € (80 % × 22 %)≈ – 27.000 € (17,5 % eff.)
Netto-Auszahlung≈ 191.200 €≈ 196.800 €

Vereinfachte Modellrechnung, keine Anlageberatung. Steuerliche Situation je nach Gesamteinkünften im Rentenalter individuell verschieden.

Wichtiger Hinweis: Dieses Beispiel zeigt eine Komplett-Entnahme (worst case für das AVD). Bei ratierlicher Entnahme (z.B. 4%-Regel) über 25–30 Jahre ist das AVD in den meisten Szenarien steuerlich deutlich günstiger, weil der Steuersatz auf die Entnahmen dann oft unter 20 % liegt.

Wann ist das AVD steuerlich besser – und wann nicht?

✅ AVD steuerlich besser wenn…

  • • Grenzsteuersatz in der Ansparphase hoch (30 %+)
  • • Steuersatz im Rentenalter deutlich niedriger als heute
  • • Kapital wird ratierlich entnommen (4%-Regel)
  • • Langer Anlagehorizont (20+ Jahre)

📈 ETF-Sparplan besser wenn…

  • • Niedriger Grenzsteuersatz während Ansparphase (unter 25 %)
  • • Hohe Gesamteinkünfte im Rentenalter erwartet
  • • Kapital wird möglicherweise vor 62 benötigt
  • • Spartbetrag über 3.000 €/Jahr (AVD-Grenze)

Häufige Fragen

Zahle ich im AVD wirklich keine Steuern während der Ansparphase?

Im AVD fallen während der Ansparphase keine Abgeltungssteuer und keine Vorabpauschale an. Gewinne und Dividenden wachsen steuerfrei. Erst bei der Auszahlung ab 62 werden 80 % des entnommenen Betrags mit dem persönlichen Einkommensteuersatz besteuert.

Was ist die Vorabpauschale und wie wirkt sie sich aus?

Die Vorabpauschale ist eine jährliche Steuer auf thesaurierende ETFs, die der Staat als "Vorab-Steuer" auf nicht ausgeschüttete Gewinne erhebt. Sie berechnet sich aus dem Basiszins × ETF-Wert. Im freien ETF-Depot fällt diese jährlich an (sofern Steuern auf den Sparerpauschbetrag über 1.000 € anfallen). Im AVD entfällt die Vorabpauschale.

Wann ist das freie ETF-Depot steuerlich besser als das AVD?

Das freie ETF-Depot ist vor allem dann vorteilhafter, wenn der Einkommensteuersatz im Rentenalter höher ist als der Abgeltungssteuersatz (26,375 %). Das ist selten, aber möglich bei hohen Gesamteinkünften im Rentenalter (hohe gesetzliche Rente + AVD-Entnahmen + weitere Einkünfte). In den meisten Fällen ist das AVD steuerlich günstiger.

Kann ich AVD und freies ETF-Depot kombinieren?

Ja – und das ist die empfohlene Strategie. Das AVD (bis 3.000 €/Jahr, mit Steuerförderung) für die langfristige Altersvorsorge; das freie ETF-Depot für Beträge darüber und für kurzfristig benötigtes Kapital.

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